Dies ist die Website zur Vorlesung Geometrie und Topologie II im Wintersemester 26/27 an der Universität Bielefeld.
Aktuelles
Diese Webseite existiert nun.
Vorlesung
Fabian Hebestreit
hebestreit@math.uni-bielefeld.de
dienstags, 10-12 Uhr, Raum V4-112
donnerstags, 10-12 Uhr, Raum V4-112
Tutorium
Victor Saunier
vsaunier@math.uni-bielefeld.de
mittwochs, 12-14 Uhr, Raum U2-135 (in englischer Sprache)
Postfach 39
Prüfung
Es wird mündliche Prüfungen geben.
Skript
Ich werde das Skript aus dem letzten Semester weiterführen, und das gibt es
hier.
Themen
Im letzten Semester haben wir Henri Poincaré's Fundamentalgruppe und ihre Rolle sowohl in der Klassifikation von Überlagerungen als auch in der allgemeinen Analyse der Topologie der Ebene gesehen. In diesem Semester soll es in höhere Dimensionen gehen. Es stellt sich hierbei heraus, dass die direkte Verallgemeinerung der Fundamentalgruppe, die höheren Homotopiegruppen, extrem schwer zu berechnen sind; sie müssen deshalb noch ein Semester auf die Warteliste.
Wir werden zunächst eine etwas andere Invariante einführen: Homologie. Ihre Grundidee ist sogar älter als die der Fundamentalgruppe, und ihr durchschlagender Erfolg hat sich aus der Topologie auch in die Algebra und insbesondere die algebraische Geometrie übertragen.
Der entscheidende Unterschied zu Homotopiegruppen ist, dass man nicht vorgibt, welche genau Form der `Testraum' haben soll (bei der Fundamentalgruppe ist dieser der Kreis, und bei der n-ten Homotopiegruppe ist dies allgemeiner die n-dimensionale Sphäre). Am einfachsten lässt sich dies bei simplizialen Komplexen beschreiben: Nennen wir einen n-dimensionalen Unterkomplex einen n-Zykel, wenn er keinen Rand hat, und einen n-Rand, wenn er als Rand eines (n+1)-dimensionalen Unterkomplexes auftaucht, so ist misst die n-te Homologie gerade den Unterschied zwischen den n-Zykeln und den n-Rändern.
Der Homologie eine Gruppenstruktur (einer Idee von Emmy Noether folgend) zu geben führt zum heutzutage allgegenwärtigen rein algebraischen Begriff des Kettenkomplexes, dem wir uns daher ebenfalls widmen werden. Es stellt sich dann das Problem, eng mit der sogenannten Hauptvermutung der kombinatorischen Topologie bekannt, ob die so eingeführten Homologiegruppen von einer Triangulierung eines topologischen Raums wirklich abhängen (also von der Wahl des definierenden Simplizialkomplexes, oder nur vom zugrundeliegenden topologischen). Die Lösung dieses Problems wird wohl das zentrale Resultat der Vorlesung darstellen, und uns viele Anwendungen auf die Topologie höher dimensionaler euklidischer Räume und Mannigfaltigkeiten ermöglichen, etwa die Euler'sche Polyederformel, die topologische Invarianz der Dimension in voller Allgemeinheit und die Theorie des Abbildungsgrads (der die Windungszahl in höhere Dimensionen erweitert), und auch subtileres: Etwa werden wir sehen, dass eine Mannigfaltigkeit nur dann ein triviales Tangentialbündel haben kann, wenn eine (und damit jede) ihrer Triangulierungen gleich viele gerade wie ungerade dimensionale Simplizes enthält (also wenn ihre sogenannte Eulercharakteristik verschwindet).
Als dann werden wir versuchen ein möglichst großes Arsenal aufbauen und Homologiegruppen effizient zu berechnen und hierfür Zellkomplexe als moderne Verbesserung von Simplizialkomplexen einführen. Als Grundbegriff für die Entwicklung werden wir damit beginnen, die aus dem letzten Semester noch verschobenen Begriffe der Kategorientheorie einzuführen.
Ein grober Fahrplan ist also:
- Kategorien und Funktoren
- Der Satz von Seifert und van Kampen
- Simplizialkomplexe und ihre Homologiegruppen
- Simpliziale Mengen und singuläre Homologie
- Die Eulercharakteristik und der Lefschetz'sche Fixpunktsatz
- Zellkomplexe
- Kohomologie und der Poincaré'sche Dualitätssatz
Literaturvorschläge
- tom Dieck: Topologie. Nicht zu verwechseln mit dem sehr viel dickeren Lehrbuch Algebraic Topology des gleichen Autors, welches aber ebenfalls nützlich ist.
- Hatcher: Algebraic Topology. Deckt im Mittelteil unsere Vorlesung ab und enthält sehr viele instruktive Beispiele. Hier frei zugänglich.
- Lück: Algebraische Topologie: Homologie und Mannigfaltigkeiten. Führt Homologie anders als wir axiomatisch ein. Hier aus der Universität frei zugänglich. (Lück ist mein früherer Chef.)
- Spanier: Algebraic Topology. Der englisch sprachige Klassiker. Hier aus der Universität frei zugänglich.